Kulturelle Werteidentität als Erfolgsfaktor bei der Internalisierung von externen Effekten vor dem Hintergrund der historischen Entwicklung der institutionellen Rahmenbedingungen am Fallbeispiel des philippinischen Bergbaus seit dem 15. Jahrhundert

  • Cultural value identity as a success factor in the internalisation of external effects against the background of the historical development of the institutional framework using the case study of Philippine mining since the 15th century

Gatzweiler, Birgit; Thomes, Paul (Thesis advisor); Lorz, Jens Oliver (Thesis advisor)

Aachen : RWTH Aachen University (2021, 2022)
Doktorarbeit

Dissertation, Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen, 2021

Kurzfassung

Auf den Philippinen betrieben die Menschen bereits in der präkolonialen Zeit des Inselstaates Bergbau. Entsprechend tief verwurzelt ist dieser heute in der dortigen Kultur, die sich dadurch auszeichnet, dass in ihr seit jeher dem Gemeinwohl ein zentraler Stellenwert zukommt. Bei dem noch heute auf Luzon existierenden traditionellen Kleinbergbau der Kankana-ey, der bestimmt ist durch mannigfache Riten und Tabus, die einen nachhaltigen Umgang mit den natürlichen Ressourcen bewirken, zeigt sich diese ureigene soziale Mentalität besonders deutlich in der Verteilung des Nutzens aus dem Goldbergbau. Basierend auf dem kollektiven Eigentum der Sippe an den natürlichen Ressourcen wird ein Teil des geförderten Erzes als eine Art von sozialer Grundsicherung für all diejenigen Mitglieder eines Stammes, die selber keinen Bergbau betreiben, verwendet, wobei unter ihnen die alten Menschen, insbesondere die alten Frauen bevorrechtet sind, indem sie einen größeren Part im Sinne einer Altersfürsorge erhalten. Allgemein geht der Rohstoffabbau auf den Philippinen mit der Erwartung seines lokalen Umfelds auf einen unmittelbaren Nutzen einher. Diese Haltung lässt sich auf den zentralen traditionellen Wert Pakikisama zurückführen, worunter die Filipinos das gute Auskommen mit anderen oder auch die Bereitschaft mit anderen zu teilen verstehen. Zwischen dem Ideal Pakikisama und den Verhaltensnormen im traditionellen Bergbau der Kankana-ey sowie dem christlichen Wert der Nächstenliebe besteht eine enge Wesensverwandtschaft, deren Ursache darin liegt, dass in Folge der Christianisierung des Archipels durch die Spanier, ab der Mitte des 16. Jahrhunderts, die christlichen Werte die sittlichen Maxime der frühen Stammesgesellschaft allmählich überlagerten, ohne sie jedoch auszulöschen. Als Ergebnis dessen findet sich der heutige Wertekanon, wonach mit dem Abbau von nicht erneuerbaren Ressourcen für ein Rohstoffunternehmen untrennbar die Pflicht verbunden ist, eine soziale und ökologische Verantwortung im Sinne von Nachhaltigkeit zu übernehmen. Umgekehrt basieren das Prestige der Bergbaubetreiber bzw. die ihnen entgegengebrachte Akzeptanz aus der Bevölkerung auf der Einhaltung der gesellschaftlichen Konventionen. Vor diesem Hintergrund hängt ein langfristiger Unternehmenserfolg auf dem Archipel entscheidend von der kulturellen Wertekonformität eines Rohstoffförderers ab. In der Gegenüberstellung der beiden Rohstoffunternehmen Lafayette Mining Limited und Philex Mining Corporation (PMC) zeigt sich dies besonders deutlich. Denn im Gegensatz zu dem Missmanagement des australischen Bergbauunternehmens Lafayette Mining Limited, das gekennzeichnet war durch seine Werteignoranz, die zu einer ungenügenden Internalisierung von negativen externen Effekten und im Zuge dessen bereits nach kurzer Zeit zum Scheitern des Unternehmens auf den Philippinen führte, ist die werteorientierte Managementausrichtung mit einer Instrumentalisierung von Religion bei dem im Fokus der Arbeit stehenden Roh-stoffunternehmen PMC seit dessen Gründung im Jahr 1955 der Schlüssel zum Unternehmenserfolg. Zugleich fungiert die Werteidentität von PMC als Antrieb für eine nachhaltige Entwicklung im Umfeld seines Bergbaus. Denn auf der Basis seiner wertebasierten Verantwortungskultur setzt das Rohstoffunternehmen in Bezug auf Nachhaltigkeit einerseits neue Trends, andererseits übererfüllt es bestehende gesetzliche Normen und ist damit ein wichtiger Impulsgeber für die Politik und die Wirtschaft. Sein überaus erfolgreiches Nachhaltigkeitskonzept, dass sich durch die Vereinbarkeit der ökonomischen Interessen des Bergbaus mit den Belangen der natürlichen Umwelt einerseits und mit den Bedürfnissen der ansässigen Bevölkerung andererseits auszeichnet, machten PMCs Grube Padcal sogar zum Musterexemplar bei der Konzeption des Philippine Mining Acts von 1995, der erstmalig das Kreieren von externen Nutzeneffekten für den Großbergbau verbindlich machte. Als historisch gewachsenes Regelwerk lassen sich dessen Bestimmungen allerdings nur aus der Geschichte heraus verstehen. So geht der eigentumsrechtliche Grundsatz, nach dem alle Bodenschätze Staatseigentum sind, auf einen päpstlichen Erlass Alexanders VI. aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert zurück, durch den das zu jener Zeit imperialistische Spanien die Legitimation zur Unterwerfung und Ausbeutung von bis dahin noch unentdeckten Ländern erhielt, mit der Auflage sie aus machtpolitischen Gründen des apostolischen Stuhls zu christianisieren. Auf dieser Grundlage bemächtigte sich die spanische Krone im 16. Jahrhundert, angetrieben von der Gier nach Macht und Reichtum, des Archipels, ohne aber an ihren Erfolgen in Südamerika anknüpfen zu können. Durch die spanische Eroberung der Inseln angeeignet, fiel das Eigentumsrecht nach dem spanisch-amerikanischen Krieg an die neue Kolonialmacht USA und nach der Unabhängigkeit der Inseln 1946 an den philippinischen Staat, wobei mit Ausnahme der Privatisierung von nicht erneuerbaren Ressourcen unter dem kolonialen Bergrecht der USA der eigentumsrechtliche Grundsatz, nach dem alle Bodenschätze Staatseigentum sind, ein fester Bestandteil der Gesetzgebung ist. Als Reaktion auf das koloniale US-amerikanische Bergrecht, dass im Gegensatz zu dem spanischen, welches mit seinen wohlfahrtstheoretischen Inhalten überrascht, externe Effekte außer Acht ließ, verankerten die Philippinen im Zuge ihrer Unabhängigkeit eine protektionistisch motivierte Quotenregelung, die den ausländischen Kapitalanteil zugunsten der Filipinos limitierte und die den Auftakt zu einem rohstoffpolitischen Hin und Her im Spannungsfeld zwischen der Nationalisierung der Bodenschätze einerseits und ihrer Liberalisierung andererseits bildete, wobei am Ende dieser wechselhaften Entwicklung heute der sich liberal präsentierende Philippine Mining Act von 1995 steht. Indes gehen viele der heutigen Rechtsvorschriften zur Internalisierung von negativen ökologischen Bergbaueffekten auf die Regierungszeit von Ferdinand Marcos zurück, der die Philippinen legislativ zu einem Pionier in Sachen Nachhaltigkeit machte. In den 1970er Jahren formaljuristisch der Zeit voraus, mangelt es jedoch seither an der konsequenten Durchsetzung der internalisierenden Rechtsvorschriften, sodass einzig ein auf die philippinisch-christlichen Werte ausgerichtetes Grubenmanagement, wie es seit Jahrzehnten von Philex Mining Corporation praktiziert wird, auf dem Archipel ein Garant für Nachhaltigkeit im Bergbau ist.

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