Essays on development and resource economics

  • Aufsätze zur Entwicklungs- und Ressourcenökonomie

Endrikat, Morten; Lorz, Jens Oliver (Thesis advisor); Balleer, Almut (Thesis advisor)

Aachen : RWTH Aachen University (2020, 2021)
Doktorarbeit

Dissertation, Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen, 2020

Kurzfassung

Die vorliegende Dissertation, die insgesamt aus drei einzelnen Fachaufsätzen besteht, gliedert sich inhaltlich in zwei verschiedene Themenblöcke und ist insgesamt im Forschungsfeld der Entwicklungs- und Ressourcenökonomie eingeordnet. Der erste Themenbereich, dem die ersten beiden Aufsätze zuzuordnen sind, beschäftigt sich mit der Frage, wie ökonomische Renten aus natürlichen Ressourcen, wie Erdöl, Erdgas und Mineralien, die Entscheidungen von Regierungen beeinflussen und insbesondere damit wie sich diese Auswirkungen in autokratisch geführten Ländern von denen in Demokratien unterscheiden. Eingebettet sind die ersten beiden Aufsätze damit in die Literatur des sogenannten Ressourcenfluchs, ein Begriff, mit dem die empirische Beobachtung beschrieben wird, dass ressourcenreiche Länder ökonomisch oft weniger gut entwickelt sind als Länder, die vergleichsweise arm an solchen Ressourcen sind. Konkret beschäftigt sich der erste Aufsatz mit der Frage, welchen Einfluss die angesprochenen Renten auf den Prozess der ökonomischen Liberalisierung nehmen und wie der Grad an Demokratie moderierend auf diesen Zusammenhang einwirkt. Zunächst wird in einem theoretischen Modell untersucht, welche Anreize autokratische Regime haben können, das Erstarken einer ökonomisch unabhängigen Mittelschicht innerhalb der eigenen Bevölkerung zu verhindern. Das Modell unterstellt, dass eine ökonomisch unabhängige Mittelschicht auf der einen Seite zwar zu höheren Steuereinnahmen für das Regime führt, auf der anderen Seite aber auch das Streben der Bevölkerung nach politischer Mitbestimmung verstärkt, was die Machtposition eines autokratischen Regimes bedroht. Hohe Staatseinnahmen durch den Abbau von natürlichen Ressourcen verringern die Notwendigkeit des Regimes Steuern von der Bevölkerung zu erheben, wodurch sie die Opportunitätskosten hoher Markteintrittsbarrieren senken und somit den Liberalisierungsprozess behindern können. Während das theoretische Modell keine Hinweise darauf liefert, dass Ressourcenrenten in Verbindung mit autokratischen Strukturen zu erhöhten Markteintrittsbarrieren führen, liefern die anschließenden Regressionsanalysen statistisch robuste Anhaltspunkte für einen solchen Zusammenhang, was qualitativ im Einklang mit vielen anderen Erkenntnissen aus diesem Forschungsgebiet ist. Die empirische Analyse des zweiten Aufsatzes bekräftigt die Hinweise darauf, dass Renten aus natürlichen Ressourcen zu Anreizverzerrungen für Regierungen in autokratisch geführten Ländern führen können, indem sie darlegt, dass ebenjene Renten einen Einfluss auf die Zusammensetzung der Staatsausgaben in Autokratien haben können. Konkret legen die Regressionsanalysen nahe, dass Ressourcenrenten in autokratisch regierten Ländern zu signifikant geringeren Bildungsausgaben führen. Darüber hinaus gibt es schwache Anhaltspunkte für erhöhte Sozialausgaben in ressourcenreichen Autokratien, während die Analysen keinen signifikanten Einfluss auf andere Arten von Staatsausgaben finden. Insbesondere kann die Hypothese, dass ressourcenreiche Autokratien ceteris paribus mehr in ihr Militär investieren durch die Analyse nicht bestätigt werden. Der dritte Aufsatz beschäftigt sich mit der Frage, wie Wohlstand und ökonomische Entwicklung allgemein überhaupt definiert werden sollten und argumentiert konkret, dass die meisten gängigen Wohlstandsmaße keine oder eine zu geringe Gewichtung auf Umweltaspekte legen. In dem Aufsatz wird ein bereits bestehendes mikroökonomisch fundiertes Modell zur Quantifizierung ökonomischen Wohlstandes um eine Komponente der Luftqualität, konkret die Belastung der Luft mit Feinstaub, ergänzt und kalibriert. Mithilfe dieses erweiterten Wohlstandsmaßes kann gezeigt werden, dass die durchschnittlichen Einkommenszugewinne, die viele Schwellenländer in der jüngeren Vergangenheit verzeichnen konnten, aufgrund der oft mit ihnen einhergehenden Verschlechterung der Luftqualität zu einer Überbewertung der tatsächlichen Steigerung des Lebensstandards in diesen Ländern geführt haben. Darüber hinaus kann ebenfalls dargelegt werden, dass auch in vielen Industrienationen, insbesondere in Europa, starke Luftverschmutzung zu einer Relativierung der hohen Lebensstandards führt, wenngleich die meisten hochentwickelten Länder in den letzten drei Jahrzehnten enorme Fortschritte im Bereich der Luftqualität gemacht haben. Vor dem Hintergrund, dass der Abbau von natürlichen Ressourcen häufig mit enormen Schäden für die Umwelt in den betroffenen Gebieten einhergeht, schließt sich die Brücke zwischen den ersten beiden Aufsätzen und dem dritten, da die Ergebnisse des letzteren nahelegen, dass die möglichen Auswirkungen von Ressourcenreichtum in vielen Ländern unter Umständen noch negativer sind als die alleinige Betrachtung ihrer Einkommensentwicklung in vielen Studien nahelegt.

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