Essays on environmental and resource economics: evaluation of voluntary and mandatory policies

Herzberg, Julika; Lorz, Jens Oliver (Thesis advisor); Lontzek, Thomas S. (Thesis advisor)

Aachen : RWTH Aachen University (2019, 2021)
Doktorarbeit

Dissertation, Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen, 2019

Kurzfassung

Diese Dissertation untersucht die Wirksamkeit staatlicher und marktbasierter Instrumente zur Reduktion der ökologischen und sozialen Misstände, die mit der Produktion und Gewinnung von Primärprodukten in Verbindung stehen. Mit einem theoretischen Ansatz sowie quasi-experimentellen empirischen Techniken beleuchten die drei Abhandlungen dieser Dissertation die Wirksamkeit verschiedener (politischer) Maßnahmen unter besonderer Berücksichtigung ihrer Robustheit gegenüber schwankender Rohstoffpreise. Der erste Aufsatz liefert ein theoretisches Modell, das zwei unilaterale politische Maßnahmen des importierenden Landes untersucht. Es bezieht die Rohmaterialien für seine Produktion aus einem ressourcenreichen Land mit schwachem institutionellem Hintergrund. Die Forschung ist motiviert durch Forderungen nach mehr Transparenz in globalen Lieferketten und zunehmenden technischen Möglichkeiten zur Rückverfolgung entlang der Wertschöpfungskette. Der Essay zielt darauf ab Wohlfahrtseffekte, die handelspolitische Sanktionen gegen eine bestimmte Region haben können, näher zu beleuchten und vergleicht diese mit einem Zertifikationssystem das legale von illegal operierenden Minen unterscheidet. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein Embargo gegen ein von Konflikten betroffenes Land zu einem Rückgang des rent-seeking dort führt, gleichzeitig aber auch die Preise für alle dort abgebauten Mineralien senkt und somit die Wohlfahrt der gesamten Region abnimmt. Im Falle einer gezielten Sanktion in Form der Prüfung und Kennzeichnung von legalen Minen kann gezeigt werden, dass die Preise für legal abgebaute Rohstoffe steigen, während der Preis für illegale Ressourcen noch weiter sinkt, was das rent-seeking noch unattraktiver macht. Damit wird gezeigt, dass die Politik die einzelne illegale Minen identifiziert und deren Rohstoffe boykottiert, einer Politik der Sanktionierung der gesamten Region überlegen ist, da beide Seiten der Lieferkette von einer höheren Transparenz des Primärproduktionsprozesses profitieren. Der zweite Aufsatz untersucht empirisch die Auswirkungen von nachhaltiger Holzwirtschaft im brasilianischen Amazonasregewald, deren Einführung von privater bzw. staatlicher Seite aus motiviert ist. Die Studie schließt die Lücke in der Forschung über die Wirksamkeit der marktorientierten nachhaltigen Forstwirtschaft im Vergleich zu staatlich initiierten nachhaltigen Waldprojekte. Die Studie prüft die Glaubwürdigkeit von mit Ökolabel zertifizierten Forstprodukte und entzerrt die Faktoren, die die Wirksamkeit nachhaltiger Forstwirtschaft erhöhen oder abschwächen können. Zu diesem Zweck wird in dem Aufsatz ein neuer Datensatz von 70 Zonen für nachhaltige Nutzung betrachtet, die in einem Zeitraum von 13 Jahren, von 2002 bis 2015, im brasilianische Amazonasgebiet implementiert wurden. Für die empirische Untersuchung wird ein Differenz-in-Differenz-Schätzer eingesetzt sowie räumliche und zeitliche Diskontinuitäten für die Identifikation des Effektes genutzt. Darüber hinaus untersucht der Aufsatz die geografischen Merkmale eines Zonenstandorts und wirtschaftliche Anreize, die die Opportunitätskosten von Abholzung beeinflussen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Entwaldungsraten nach der Implementierung der Zonen eher steigen als sinken, was auf eine Übernutzung der Abholzungsrechte und einer ineffizienten Standortwahl zurückzuführen ist. Im dritten Aufsatz werden die Auswirkungen der boomenden Agrarrohstoffpreise auf die Entwaldung empirisch untersucht und gezeigt wie sich drei unterschiedliche politische Instrumente auf diesen Zusammenhang auswirken. Diese Instrumente sind: Blacklisting (Überwachung von und Sanktionen gegen die Gemeinden mit den höchsten Entwaldungsraten), Schutzzonen (abgegrenzte Gebiete, die unter staatlicher Verwaltung und Überwachung stehen) und das Sojamoratorium (eine freiwillige Vereinbarung der Sojaindustrie keinen Wald mehr für neue Sojaplantagen roden). Die internationale Agrarpreise werden mit den drei Programmen in einer triple-difference Strategie interagiert um deren Potenzial zur Verringerung des Preisdrucks zu untersuchen. Zudem können so auch mögliche Schlupflöcher identifiziert werden, die die Regulation der Programme umgehen und somit die Abholzung weiter vorantreiben. Die Ergebnisse zeigen, dass der Agrarpreisboom die Abholzung in unserer Beobachtungsperiode um rund 20682 Quadratkilometer erhöht. In Bezug auf die Wirksamkeit der politischen Maßnahmen zeigen die Ergebnisse, dass innerhalb der Gemeinden, die neue Schutzgebiete erhalten, die Abholzung im nicht geschützten Wald stärker zunimmt als zuvor. Den Effekt den die Begrenzung der Pflanzung von nur einer Feldfrucht (Sojamoratorium) ist sehr gering, da die Landwirte einen Ausgleich schaffen können, indem sie andere Feldfrüchte auf den frisch gerodeten Flächen anbauen. Allerdings wird gezeigt, dass die Blacklisting Politik, die ganze Gemeinde, unabhängig von der Quelle der Entwaldung betrachtet und für umfassende Änderungen sorgt, zu einer Verringerung der Entwaldung, die im Zusammenhang mit den Agrarpreisen steht, führt.

Identifikationsnummern

Downloads