Essays on population aging and the political economy of immigration

  • Essays zur Bevölkerungsalterung und zur Politischen Ökonomie der Zuwanderung

Calahorrano Peña, Lena Teresa; Lorz, Oliver (Thesis advisor)

Aachen : Publikationsserver der RWTH Aachen University (2011, 2012)
Doktorarbeit

Aachen, Techn. Hochsch., Diss., 2011

Kurzfassung

Ausgangspunkt der Dissertation ist die Beobachtung, dass in allen Industrieländern und auch in den meisten Entwicklungsländern die Bevölkerung altert. Obwohl Alterung ein globales Phänomen ist, gibt es große Unterschiede zwischen der Altersstruktur von Industrie- und Entwicklungsländern. In alternden Industrieländern wird die Finanzierbarkeit der umlagefinanzierten Sozialversicherungssysteme, insbesondere der Rentenversicherung, durch die Erhöhung des Durchschnittsalters in Frage gestellt. Neben Renten- und Arbeitsmarktreformen kann eine erhöhte Zuwanderung zur Lösung dieser Finanzierungsprobleme beitragen. Dennoch scheint die Nachfrage nach Zuwanderern begrenzt zu sein. Deshalb stellt sich die Frage, ob der demografische Wandel in Industrieländern zu einer liberaleren Immigrationspolitik führt. Wenn der Anteil älterer Individuen an der Bevölkerung steigt, dann ist es wahrscheinlich, dass sich auch ihr politischer Einfluss erhöht. Deshalb untersucht die Dissertation Unterschiede in den Präferenzen von jüngeren und älteren Individuen bezüglich der Höhe der Zuwanderung und modelliert die Berücksichtigung dieser Präferenzen im politischen Prozess. Sie ist in vier Aufsätze gegliedert, denen die politisch-ökonomische Herangehensweise gemeinsam ist. Die ersten beiden Aufsätze formulieren theoretische Modelle einer Volkswirtschaft, in der die Regierung die Höhe der Immigration festlegt. Die Zielfunktion der Regierung entspricht der gewichteten Summe der Nutzen aller ihrer Wähler. Es wird ein Modellansatz mit überlappenden Generationen gewählt. In der Volkswirtschaft wird mit den Faktoren Arbeit und Kapital ein homogenes Gut produziert. Die jungen Individuen bieten in jeder Periode jeweils eine Einheit Arbeit an, für die sie einen Lohn erhalten. Ihr Lohneinkommen verteilen sie auf Konsum und Ersparnisse. Die alten Individuen finanzieren mit ihren Ersparnissen das Produktionskapital und erhalten eine Kapitalrendite, die sie konsumieren. Es wird unterstellt, dass Immigranten ebenfalls jung sind und dementsprechend das Angebot an Arbeit erhöhen. Dadurch sinkt die Rendite der Arbeit, der Lohn, während die Kapitalrendite steigt. Im Grundmodell sind deshalb die jungen Individuen gegen Immigration, während die alten Individuen freie Immigration befürworten. Aus der Zielfunktion der Regierung resultiert eine innere Lösung mit begrenzter Immigration. Steigt der Anteil der alten Individuen an der Bevölkerung, dann steigt auch ihr politisches Gewicht und damit die gleichgewichtige Immigration. Während der erste Aufsatz unterstellt, dass Immigranten genauso viele Kinder haben wie Einheimische, betrachtet der zweite Aufsatz den Fall, dass Immigranten mehr Kinder haben. Permanente Immigration verändert dann das politische Gleichgewicht: Je höher die Immigration in einer Periode ist, desto höher ist der Anteil der jungen Individuen, die gegen Immigration sind, in der nächsten Periode. Der dritte Aufsatz formuliert ebenfalls ein theoretisches politisch-ökonomisches Modell, dessen Annahmen teilweise denen der ersten beiden Aufsätze entsprechen. Der innovative Beitrag dieses Aufsatzes ist die simultane Betrachtung von Politiken, die die Arbeits- und die Kapitalmobilität bestimmen, in einem Zwei-Länder-Modell. Im jüngeren (Entwicklungs-) Land entscheidet die Regierung, ob zufließende Auslandsdirektinvestitionen enteignet werden oder nicht. Obwohl im Gleichgewicht keine Enteignung stattfindet, wird die Höhe der Investitionen durch die bloße Möglichkeit der Enteignung reduziert. Für die alten Individuen im älteren (Industrie-)Land stellt die Investition ihrer Ersparnisse in einem jüngeren Land ein Substitut zu Immigration dar. Auf der anderen Seite kann Emigration aber die Enteignungsanreize im Entwicklungsland senken, was zu höheren Investitionszuflüssen führt. Der vierte Aufsatz untersucht die Frage, ob die Befürwortung von Zuwanderung tatsächlich über den Lebenszyklus steigt, wie aufgrund der Faktorpreiseffekte, die mit der Zuwanderung von Arbeitnehmern verbunden sind, zu erwarten wäre. Nicht-ökonomische Beweggründe oder eine Erhöhung von Rentenbeiträgen im Zuge demografischer Veränderungen, so dass die Beitragszahler mehr von Zuwanderung profitieren als die Rentner, könnten frühere empirische Untersuchungen erklären, denen zufolge die Befürwortung von Zuwanderung mit dem Alter eher abnimmt. Andererseits kann dieses Ergebnis auch auf die unklare Trennung zwischen Kohorten- und Lebenszykluseffekten zurückzuführen sein. Um diese trennen zu können, müssen die gleichen Individuen zu mehreren Zeitpunkten beobachtet werden. Der vierte Aufsatz verwendet Daten aus dem deutschen Sozio-Ökonomischen Panel. In multiplen Regressionen wird der Einfluss von Lebensalter und Geburtsjahr auf die individuelle Einstellung zu Immigration geschätzt. Relativ zu anderen Themen werden die Sorgen über Zuwanderung über den Lebenszyklus hinweg tatsächlich weniger wichtig, während sie für ältere Geburtenjahrgänge wichtiger sind als für jüngere.

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