Performance-Management im Produktionsanlauf

  • Performance management during production ramp-up

Renner, Tim; Dyckhoff, Harald (Thesis advisor)

Aachen : Publikationsserver der RWTH Aachen University (2012)
Doktorarbeit

Aachen, Techn. Hochsch., Diss., 2012

Kurzfassung

Der Produktionsanlauf dient der Aufnahme von Neuerungen in die industrielle Produktion. Wenngleich eine monetäre Erfolgsbestimmung zu diesem Zeitpunkt nur bedingt möglich ist, so werden im Anlauf doch intangible Potenziale geschaffen, deren Wirkung erst in nachfolgenden Phasen und Projekten sichtbar wird. Sowohl wissenschaftliche Studien als auch zahlreiche Hinweise aus der Unternehmenspraxis belegen die Relevanz aber auch die Schwierigkeit der Beherrschung des Anlaufs. Daher bedarf es geeigneter Modelle, welche die Transparenz des Produktionsanlaufs erhöhen und einen effizienten Prozess zur Findung zweckmäßiger Entscheidungen erlauben. Eine Möglichkeit, diesen Bedarf zu decken, stellt das Performance Management dar, welches das Ziel verfolgt, dass der Anwender Entscheidungen im Bewusstsein der verfolgten Ziele und verbundenen (Neben-) Wirkungen trifft. Umfassendes Ziel der Arbeit ist daher die Konzeption eines Leitfadens zur Entwicklung eines anlaufspezifischen Performance Management Systems. Die Realisierung dieses Ziels erfolgt in fünf modular aufgebauten Teilen A bis E. Teil A stellt den State of the Art bezüglich des Performance Managements im Produktionsanlauf dar. Auf Basis einer umfassenden Meta-Analyse, im Sinne einer Sichtung, Evaluation und Synthetisierung der Anlaufliteratur, wird zunächst ein anlaufspezifischer Anforderungskatalog zur Beurteilung vorhandener Beiträge entwickelt. Die Suche nach relevanten Ansätzen zum Performance Management im Produktionsanlauf brachte fünf maßgebliche Beiträge hervor. Deren Analyse zeigte, dass speziell in folgenden Punkten Defizite bestehen: Ableitung der Anlaufziele sowie deren Verknüpfung mit Unternehmenszielen, systematische Unterstützung von projektübergreifender Verbesserung, Berücksichtigung der strategischen Reichweite des Anlaufs, Integration von Expertenwissen in den Prozess des Performance Managements sowie die unzureichende Anleitung von Experten. In Teil B werden mit der anfänglich mangelnden Beherrschung der Produktionsqualität, den fortschreitenden Lerneffekten und der variierenden Leistungsintensität als Operationalisierung der Anlaufpolitik hervorstechende Anlaufmerkmale extrahiert. Im Anschluss wird eine Forschungslandkarte zum Anlauf aus produktionstheoretischer Sicht aufgezeichnet. Zur Behebung des identifizierten Defizits bezüglich realtheoretischer Erklärungsmodelle wird ein schlankes, dynamisch rekursives Basismodell entwickelt, welches den idealtypischen Verlauf der Anlaufkurve allein anhand der identifizierten Merkmale zu erklären vermag. Das Ergebnis bildet den Grundstein für eine Theorie des Produktionsanlaufs und liefert in Form eines Kommunikationswerkzeugs Erklärungsbeiträge. Zudem besteht der theoretische Wert darin, eine Lücke innerhalb bestehender, spezieller Produktionstheorien aufzuzeigen und eine mögliche Erweiterung zu skizzieren. Teil C geht vertiefend auf die Performance Planung als initiale Phase des Performance Managements ein. Auf Basis einer anlaufspezifischen Zielsammlung wird eine Zielhierarchie entwickelt, an deren Spitze die Fundamentalziele des Produktionsanlaufs stehen. Durch die Auswertung von Experteninterviews konnte gezeigt werden, dass die Ergebnisse mit den Vorstellungen aus der Unternehmenspraxis übereinstimmen. Damit ist die Systematisierung der Anlaufziele nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch wertvoll, da sich ein Entscheider einen Überblick über geeignete Zielsetzungen verschaffen und eine qualitative Einschätzung des Stellenwerts sowie der Wirkbeziehungen gewinnen kann. In Teil D des Promotionsprojektes erfolgt eine Sondierung der Möglichkeiten zur Performance Beeinflussung. Dazu wurde die fragebogenbasierten Studie CoRuS konzipiert und durchgeführt. In deren Rahmen wurden 184 produzierende Unternehmen anhand eines Strukturgleichungsmodells analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass Tätigkeiten des Wissensmanagements und des Controllings einen kontextrobusten, signifikanten Einfluss auf die Anlaufperformance haben. In Verbindung mit zusätzlich durchgeführten Variationen des Modells wird eine Informationsgrundlage zur kontextspezifischen Wirksamkeit von Tätigkeiten geschaffen und Entscheidungsträger können anhand der Ergebnisse Prioritäten hinterfragen und berichtigen. Teil E schließt den Bogen zu Teil A und der darin identifizierten Forschungslücke mit einem konzeptionellen Expertenleitfaden zum Performance Management, der im Sinne eines Gesamtergebnisses die vorangehenden Teile verknüpft. Die Evaluation erfolgt anhand des Design Science Research Ansatzes, u. a. in Form einer Fallstudie zur Demonstration der Anwendbarkeit. Kontributionen des Beitrags sind im Einzelnen die Kreation eines Instruments zur vergleichenden Klassifizierung von Anlaufprojekten und eine darauf basierende Zielplanung, die strukturierte Präsentation eines großen Fundus an Kennzahlen zur Operationalisierung und die Bereitstellung konkreter Hinweise zur kontextspezifischen, zweckbezogenen Beeinflussung der Zielebene.

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